Sonntag, 1. August 2010

Zur Einweihung und Schlüsselübergabe



"Ich bin sehr stolz auf unsere Pilgerherberge – nicht nur, weil sie schön aussieht, sondern vor allem, weil so viele Frommenhausener mit ihrer Hände Arbeit zu ihrer Verwirklichung beigetragen haben. Ein wahrhaftiges Gemeinschaftsprojekt also.
Als meine Frau in den Jahren 2005/2006 sich in die Analen von Frommenhausen einlas, um Wissenswertes für unser 750-jähriges Dorfjubiläum zu recherchieren, ahnte niemand die Folgen, die sich daraus ergaben. Ein Pilger namens Jacob Beyter wurde gleichsam wieder entdeckt und es formierte sich in ihr die Idee, diesem beinahe vergessenen Frommenhausener eine Pilgerherberge zu widmen.

Heute stehen wir vor der Herberge und fragen uns, wie es möglich war, in so kurzer Zeit, ein solches Schmuckstück hinzubekommen.
Darauf gibt es nur eine Antwort: Nur durch gemeinsame ehrenamtliche Anstrengungen vieler Frommenhausener Bürger – allen voran unser Ortsvorsteher Kurt Hallmayer - war die Realisierung dieses Projektes möglich.
Dafür möchte ich mich als Vorsitzender des Fördervereins bei allen Helfern und Helferinnen bedanken. Ein kräftiges Dankeschön geht natürlich auch an die Stadt Rottenburg, die uns immer wieder mit finanziellen Schüben ein weiteres Stück unseres Weges voran brachte. Gleiches gilt für unsere Sponsoren, die uns großzügig unterstützten!
Mit der Übernahme der Herberge übernehmen wir auch repräsentative Verantwortung für die Stadt Rottenburg. Wir werden dieser Verantwortung immer bewusst sein. Ich möchte an dieser Stelle an unseren Stand auf der CMT in diesem Jahr erinnern, mit dem wir auf Einladung des Landkreises, Frau Feiler sei hier dankend genannt, unsere Herberge bewerben konnten und wo wir – so wurde uns von allen Seiten bestätigt - eine gute Figur abgaben.
Immer wieder werde ich auf die Motive für eine Pilgerherberge in Frommenhausen angesprochen.
Auf ein Hauptmotiv – nämlich das der Gastfreundschaft – möchte ich kurz eingehen.
Meine Frau, Lidwina Hallmayer und mitunter auch ich, durften mittlerweile schon ca. 200 Pilger in Frommenhausen begrüßen und in der Herberge versorgen.
Es war durchweg eine große Freude und äußerst beglückend, diesen Menschen begegnet zu sein. Die Dankbarkeit zu spüren für ein herzliches „Willkommen“, für selbst gebackenes noch frisch duftendes Brot (von Lidwina), für kräftiges Pilgerbier und für bequeme Schlafstätten, war mehr als der Lohn für die bisherigen Mühen. Es gab immer wieder Momente, wo der Abschied von unseren Gästen einem richtig schwer fiel. Ich wünsche mir, dass noch mehr Frommenhausener diese Erfahrung teilen und lade jeden ein, sich bei der Betreuung unserer Pilgergäste mit einzubringen.
Gastfreundliche Seelsorge ist eine Alternative zum üblichen Umgangsstil unserer Gesellschaft; sie geht davon aus, dass den Menschen in unserer hektischen Welt nichts so gut tut wie ein Platz, an dem sie verschnaufen, Atem holen, das Visier hochklappen, die Waffen ablegen können, weil sie spüren: hier muss ich nicht schon wieder etwas bringen ... Seelsorge, die sich als Gastfreundschaft begreift, ist eine Freiraum schaffende Weise der Zuwendung zum anderen.
Abschließend möchte ich noch auf unseren Sternenweg aufmerksam machen. Er reicht vom Weißen Kreuz bis zur Herberge und symbolisiert den Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Der Sage nach sah Karl der Großen im Traum einen Sternenweg und Jakobus habe ihm aufgetragen, „meinen Pilgerweg von den Mauren zu befreien, so dass man mein Grab besuchen kann“. Diese Sterne beschreiben die Sterne der Milchstraße, nach altem Glauben der Weg der Seelen. Ihr Licht ist ein Kompass, der den Weg anzeigt zum Paradies, das man früher am Ende der Erde – dem Cap Finistere - vermutete.
Zuletzt möchte ich mich herzlich bei Pfarrer Sieger Köder, Herrn Dr. Mattes mit seiner Frau und der Familie Wagner bedanken, die es uns ermöglicht haben, jenes Kunstwerk am Eingang unserer Herberge zu präsentieren. Fortan dient es als Wahrzeichen für unsere Pilgerunterkunft."

Roland Harrer, 1. Vorsitzender, 1. August 2010

Fotos vom Festtag